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EOS - Infoletter |
Licht und Schatten...Beobachtungen und Gedanken zum Projekt "Neue Lernkultur des BMUK |
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Ich wurde gebeten zu skizzieren, wie das Projekt "Neue Lernkultur aus meiner Sicht als PI-Kontaktperson für Wiener AHS-Standorte aufgenommen wurde, und wie ich Wirkung und Stellenwert des Projekts einschätze. Die folgenden Ausführungen beziehen sich demnach auf den Wiener AHS-Bereich und geben sicher auch innerhalb dessen nur Ausschnitte des Gesamtspektrums und meine (subjektiven) Wahrnehmungen wider.
Viele Initiativen zur Neuen Lernkultur hat es an Wiener AHS-Standorten und auf der Ebene der LehrerInnenfortbildung am Pädagogischen Institut der Stadt Wien schon vor dem BMUKA-Projekt ?Neue Lernkultur gegeben. Bereits in den frühen 80-iger Jahren wurde am Pädagogischen Institut der Stadt Wien das Projekzentrum eingerichtet, lief mit Unterstützung des Stadtschulrates für Wien das Projekt ?Soziales Lernen an, gewannen Teamarbeit, fächerübergreifender und Projektunterricht immer mehr an Bedeutung. Ende der 80-iger Jahre wurde in Kooperation mit dem Stadtschulrat für Wien das schultypenübergreifende Pilotprojekt ?Entwicklung Offener Lernformen an der Mittelstufe (AHS und HS) durchgeführt und - auf dessen Erfahrungen aufbauend - das Projekt ?Offene Lernformen an der Mittelstufe entwickelt. Etwa zur selben Zeit fanden die ersten Fortbildungsseminare zu Lernwerkstattarbeit statt, und im März 1993 wurde die Lernwerkstatt am Pädagogischen Institut der Stadt Wien offiziell eröffnet.
Die Vielfalt und Zahl an Aktivitäten zur Neuen Lernkultur ist in den letzten Jahren immer größer geworden, an immer mehr AHS-Standorten wird von den LehrerInnen mit viel Engagement und Kreativität innovatorische Arbeit geleistet. Nur zu oft bleibt diese allerdings viel zu wenig beachtet und geschätzt.
Daher sehe ich in diesem Bereich, wenn es um Anerkennung und Öffentlichkeitsarbeit geht, eine der großen Chancen und Stärken des Projekts ?Neue Lernkultur - zum einen, weil versucht wird, die Entwicklungen und Leistungen an Schulen über die Medien für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen - zum anderen, weil es signalisiert, daß all dem, was unter Neuer Lernkultur verstanden wird, eine bedeutende Rolle in der Schule von heute zukommt. Die Initiative des BMUKA hat sicher LehrerInnen in ihrer Entwicklungsarbeit auf dem Gebiet der Neuen Lernkultur gestärkt, andere neugierig gemacht und ermutigt, erste oder weitere Schritte zu tun.
Knapp die Hälfte der Wiener AHS-Standorte (39 Schulen) hat auf das Projekt "Neue Lernkultur reagiert, 29 Schulen meldeten ihre Teilnahme, 10 weitere Schulen ihr Interesse am Projekt an. Konkrete Projektthemen wurden von 22 Schulen formuliert. Über die tatsächliche Zahl an Aktivitäten und Initiativen zur Neuen Lernkultur (die zweifellos noch höher anzusetzen ist) und die unmittelbare Auswirkung des BMUKA-Projekts auf die einzelnen Schulstandorte, sagen diese Zahlen allerdings nur beschränkt etwas aus. An zahlreichen Schulen liefen bereits vor dem Start der BMUKA-Initiative Aktivitäten zur Neuen Lernkultur, etliche davon wurden zum Projekt angemeldet, andere nicht. Fast von allen 17 Schulen, die innerhalb des BMUKA-Projekts ihr Interesse bekundet, bzw. ihre Teilnahme gemeldet, aber keine konkreten Initiativen angegeben hatten, sind mir durch meine Tätigkeit am PI zum Teil sehr intensive und umfassende Aktivitäten zur Neuen Lernkultur bekannt. Ebenso weiß ich von Initiativen an Schulen, die - aus welchen Gründen immer - auf das Projekt ?Neue Lernkultur überhaupt nicht reagiert haben.
Die bereits vorhin erwähnte Vielfalt der Initiativen und Aktivitäten spiegelt sich in den Projektthemen der Schulen wider.

Ich denke, daß die Wirkung des Projekts "Neue Lernkultur auch im Zusammenspiel und Kontext mit anderen Entwicklungen (schulautonomen Maßnahmen, Profilbildung) gesehen werden muß - als ein wertvoller Impuls in einem Gesamtgefüge. Die Dynamik, die in den letzten zwei bis drei Jahren im AHS-Bereich entstanden ist, findet ihren Niederschlag in der sprunghaft angestiegenen Nachfrage sowohl nach schulinterner Fortbildung (SCHILF) als auch nach Begleitung und Beratung von Schulentwicklungsschritten, bzw. -prozessen. Allein im abgelaufenen Sommersemester 96 fanden über 40 schulinterne Veranstaltungen an AHS-Standorten in den Bereichen Neue Lernkultur und Schulentwicklung am PI der Stadt Wien statt, dazu kommt noch die Betreuung und Fortbildung von insgesamt über 40 LehrerInnenteams im Rahmen der Projekte "Soziales Lernen und "Offene Lernformen an der Mittelstufe.
Schulen sind zweifellos in Bewegung, und ich nehme bei LehrerInnen, SchulleiterInnen und auch auf der Ebene der Schulbehörde viel Engagement wahr. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch die Rahmenbedingungen stimmen müssen und daß einige LehrerInnen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen sind.
Aus Rückmeldungen und Anfragen einer Reihe von Schulen konnte ich entnehmen, daß die meisten an das Projekt ?Neue Lernkultur auch Hoffnungen knüpften auf finanzielle Unterstützung für einzelne Initiativen, auf Unterstützung bei der Schaffung, manchmal auch nur Erhaltung von angemessenen Rahmenbedingungen für ihre Projekte und sich hier in ihren Erwartungen enttäuscht sahen und nur allzuoft alleingelassen fühlten.
Die jüngsten Sparmaßnahmen, die pädagogisches Handeln erschweren, Qualität von Unterricht insgesamt beeinträchtigen, Einschränkungen bei der LehrerInnenfortbildung, auch manche der (noch) vorgegebenen Strukturen und Regelungen sind keine günstigen Voraussetzungen für Innovationen, Neue Lernkultur und Schulentwicklung und treffen gerade jene Schulen und LehrerInnen, die Veränderungen vorantreiben.
Dennoch: das Projekt "Neue Lernkultur wird meiner Einschätzung nach von den Schulen als ideelle Unterstützung und programmatische Botschaft sehr wohl wahrgenommen und als solche auch sehr geschätzt.
Es sind spannende Entwicklungen im Gange - und an der Ressourcenfrage geht kein Weg vorbei.
Artikel erchien im infoletter 4/97